5.9. Pressemitteilung: Gemeinsam gegen Rassismus, für einen langen Sommer der Solidarität

Erfurt und Jena, den 05.09.2018

Vom rassistischen Mob auf den Chemnitzer Straßen über die Forderung nach
Zurückweisungen an den Grenzen, von der Kriminalisierung der
Seenotrettung bis zur Isolation in „Ankerzentren“: Es reicht uns schon
lange!

Im September 2015 geriet die Festung Europa ins Wanken. Menschen
unterschiedlicher Herkunft nahmen ihr Schicksal selbst in die Hand, um
Schutz und Zuflucht in Europa zu suchen. Zugleich solidarisierten und
engagierten sich Millionen von Menschen täglich mit Migrant*innen und
Geflüchteten. Doch wir sind leise geworden, wo wir hätten laut sein
müssen. Drei Jahre nach dem langen Sommer der Migration wütet ein
rassistischer Mob völlig ungeniert auf den Straßen und im Bundestag.
Heute mehr denn je braucht es die Solidarität der Vielen in einem nicht
enden wollenden Winter der Grenzschließungen und der rassistischen
Hetze.

Das Problem heißt Rassismus!

Es wird gesagt, Migrant*innen und Geflüchtete seien das Problem. Doch
der rassistische, migrations- und menschenfeindliche Diskurs formuliert
keine Probleme. Er ist das Problem.

Dass viele sich heute in ihren rassistischen und migrationsfeindlichen
Ressentiments bestärkt fühlen, liegt ursächlich in der Art und Weise
aktuell geführter politischer Debatten. Wir erleben, wie Hass und
Rassismus das Ankommen erschweren und neue Nachbarschaften zerstören.
Der gesellschaftliche und migrationspolitische Rückschlag gefährdet
dabei nicht allein die Rechte und das Leben von Migrant*innen, sondern
fundamentale Grund- und Menschenrechte, die unser aller Zusammenleben
bestimmen.
Die Frage der Migration geht Hand in Hand mit der Frage, wie wir leben
wollen. In einer vielfältigen, solidarischen und die Menschenrechte
wahrenden Demokratie oder in einem isolationistischen Polizeistaat, der
den permanenten Ausnahmezustand zur legitimen Praxis eines widrigen
Migrationsmanagements und migrationspolitischer Kontrollen macht.

Unsere Antwort ist klar: Wir wenden uns entschieden gegen den tobenden
Rassismus auf unseren Straßen und gegen eine migrations- und
menschenfeindliche Politik. Für ein Ende der Angst. Gegen Isolation und
Abschottung. Für das Recht zu kommen und zu bleiben. Wir fordern eine
Zukunft für alle in einer vielfältigen und solidarischen Gesellschaft.

Für den 29. September rufen wir daher in Thüringen gemeinsam mit über
300 Gruppen und Organisationen zu einer bundesweiten Parade für
Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte in Hamburg unter dem Motto „United
Against Racism“ auf, denn dieser Tag wird unser Tag! Mit Bussen aus Jena
und Erfurt machen wir uns auf den Weg für einen langen Sommer der
Solidarität.

O-TÖNE DER AUFRUFENDEN AKTEUR*INNEN AUS THÜRINGEN

Ilse Braunschweig vom Begegnungszentrum WeltRaum Jena

„Ein respektvoller und umsichtiger Umgang sind die Grundlagen für ein
Ankommen in einer neuen Nachbarschaft. Es tut gut, zu wissen, dass wir
viele sind! Viele, die sich im eigenen täglichen Umfeld und darüber
hinaus für das Miteinander von uns Menschen einsetzen.“

Nathanael Falk vom Flüchtlingsrat Thüringen e.V.

„Wir haben genug von immer neuen Asylrechtsverschärfungen in
Deutschland, von Abschiebungen, der Abschottung der EU, der
Kriminalisierung der zivilen Seenotretter*innen, vom tobenden Rassismus
und dem immer weiter fortschreitenden Rechtsruck in dieser Gesellschaft.
Wir fahren nach Hamburg um all dem etwas entgegenzusetzen, aber auch für
etwas einzustehen: Für das Recht zu kommen und zu bleiben, für legale
und sichere Fluchtwege, für gleiche Rechte für alle, für Teilhabe und
Solidarität!“

Philipp Millius vom Refugee Law Clinic Jena e.V.

„Als Refugee Law Clinic Jena e.V. streiten wir für einen
uneingeschränkten Zugang zum Recht, statt rechter Hetze. Doch bereits
durch die Zurückweisung an den europäischen Grenzen bleibt den
allermeisten der Zugang zum Recht verwehrt. Zugleich erleben wir in
unserer Beratungspraxis die Folgen einer massiven Umstrukturierung des
Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Die Zahl der fehlerhaften
Ablehnungen von Asylanträgen, bei denen Asylsuchende später Recht
bekamen, lag 2017 bei 32.000. Darin liegt der eigentliche BAMF-Skandal!“

Dr. Beatrice Osdrowski vom Frauenzentrum TOWANDA Jena e. V.

„Frauen*rechte sind Menschenrechte! Wir fordern die Berücksichtigung der
besonderen Bedürfnisse weiblicher Refugees* in allen Lebens- und
gesellschaftlichen Situationen. Es geht um die Sicherheit und den Schutz
der Frauen* sowie um die Aufklärung über Frauen*rechte in unserem
demokratischen Staat. Und wir fordern die rechtsstaatliche Verfolgung
jeglicher Form von Rassismus und Sexismus: #metwo und #metoo! Beides
darf in unserer Gesellschaft nicht geduldet werden!“

Nico Przeliorz von KoKont Jena – Koordinierungsstelle und Kontaktbüro

„Wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft gejagt und angegriffen werden,
wenn die Abgrenzungen zur extremen Rechten in Wort und Tat immer mehr
verschwimmen und ein weiter Teil der Gesellschaft darüber hinwegschaut,
dann ist es Zeit, gemeinsam laut zu sein und klare Zeichen zu setzen! Es
gilt, dem zunehmend offener artikulierten Rassismus in unserer
Gesellschaft eine entschiedene Haltung der Mitmenschlichkeit und ein
Bekenntnis für Solidarität, Freiheit und Demokratie entgegenzusetzen!“

Team von MOBIT – Mobile Beratung in Thüringen

„In den vergangenen Jahren haben wir eine deutliche Ausbreitung
rassistischer und nationalistischer Ideologien in Deutschland erlebt.
Dieser Entwicklung müssen wir deutlich widersprechen und uns für eine
solidarische Gesellschaft einsetzen. Damit zeigen wir, für welche
Gesellschaft wir stehen und kämpfen.“

Jan Kummerfeldt vom MediNetz Jena e.V.

„Ich bin noch immer optimistisch, dass wir eine bessere Welt schaffen
können und dass es Alternativen gibt zu Ausgrenzung, Hass und Egoismus.
Deshalb hoffe ich, dass so viele Menschen wie möglich, im Alltag und
auch bei politischen Aktionen den Mut und die Kraft finden, für eine
bessere Welt einzustehen. Und es würde mich freuen, viele dieser
Menschen auch am 29.09. in Hamburg zu sehen.“

Leila Al-Kuwaiti vom Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Jena

„Wir stehen ein für alle, die auf der Suche nach Hilfe nach Europa
kommen, und wir stellen uns solidarisch mit allen, die dafür eintreten,
diese Menschen zu unterstützen und zu schützen. Das heißt insbesondere,
dass wir solidarisch mit den Betroffenen stehen, die am 29.09. die
Anerkennung ihres Aufenthalts, die Teilhabe an dieser Gesellschaft und
ihren Anspruch auf Menschenrechte einfordern. Asyl ist kein humanitäres
Zugeständnis. Wir fordern von der EU-Kommission, der Bundeskanzlerin
Angela Merkel, dem Innenminister Horst Seehofer, dass sie das Asylrecht
wieder als das behandeln, was es ist: ein universelles Menschenrecht.“

Inka Rehbehn vom Sprachcafé Erfurt

„Im Sprachcafé Erfurt treffen sich Menschen aus der ganzen Welt. Die
Begegnungen, die hier jedes Mal entstehen und die Freundschaften, die
sich daraus entwickelt haben, haben mich unglaublich geprägt und
bereichert. Es macht mich wütend und sprachlos, hören zu müssen, mit
welch ablehnenden Haltungen und rassistischem Verhalten Menschen mit
vermeintlich nicht deutscher Herkunft tagtäglich in Thüringen begegnet
wird. Deshalb wollen wir am 29. September gemeinsam auf die Straße
gehen, um zu zeigen, dass wir für eine offene und tolerante Gesellschaft
einstehen.“

KONTAKT

Telefonkontakt: +491625637955 Philipp Millius
E-Mail: wcu_jena@riseup.org

WEITERE INFORMATIONEN

www.antiracist-parade.org  [1]
https://www.facebook.com/welcomeunited [2]
https://www.fluechtlingsrat-thr.de/anmeldung-welcome-united [3]
http://rlc-jena.de/anmeldung-zur-fahrt-zur-well-come-united-parade-in-hamburg-am-28-9/
[4]

We‘ll Come United ist ein Netzwerk aus Gruppen und Personen, die sich
sozial, antirassistisch, kulturell und politisch engagieren, aus
Refugees und Supporter*innen, Wissenschaftler*innen, Lehrer*innen,
Nachbar*innen, Menschen aller Altersgruppen und aus verschiedensten
Bereichen der Gesellschaft. Im September 2017 fand in Berlin die erste
Parade statt. Im September 2018 kommt We’ll Come United nach Hamburg.

To unsubscribe: <mailto:welcomeunited-th-unsubscribe@lists.riseup.net>
List help: <https://riseup.net/lists>
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